Gedanken

Hans Magnus Enzensberger

Ein Liedchen

Hie und da kommt es vor,
daß einer um Hilfe schreit.
Schon springt ein andrer ins Wasser,
vollkommen kostenlos.

Mitten im dicksten Kapitalismus
kommt die schimmernde Feuerwehr
um die Ecke und löscht, oder im Hut
des Bettlers silbert es plötzlich.

Vormittags wimmelt es auf den Straßen
von Personen, die ohne gezücktes Messer
hin- und herlaufen, seelenruhig,
auf der Suche nach Milch und Radieschen.

Wie im tiefsten Frieden.

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Hugo von Hofmannsthal
Was ist die Welt?

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,
Ein Strahl ists, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend andre flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nievernommner Töne,
Begabt mit eigner, unentweihter Schöne,
Und keines Andern Nachhall, Widerschein.

Und wenn du gar zu lesen drin verstündest,
Ein Buch, das du im Leben nicht ergründest.


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Geh aus mein Herz und suche Freud
In dieser schönen Sommerzeit
An deines Gottes Gaben
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben........


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Wer die Welt nicht von Kind auf gewohnt wäre,

müßte über ihr den Verstand verlieren.

Das Wunder eines einzigen Baumes würde genügen,

ihn zu vernichten. - Christian Morgenstern

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Die Ausschweifungen Gottes

Ist es nicht sein hoher Überfluß, woran wir
Unseren Gott erkennen? Einen Mangel auszugleichen
Ist natürlich, animalisch, mineralisch: Jedoch
Regenbögen über den Regen zu schleudern
Und Schönheit über den Mond, und versteckte Regenbögen
In die Perlmuttkuppeln der Tiefseemuscheln,
Und das notwendige Umarmen zur Zeugung
So schön zu machen wie Feuer,
Daß selbst Unkraut sich nicht ohne Blüten vermehrt
Noch die Vögel ohne Musik:
Dort ist das großartig Menschliche im Herzen der Dinge,
Die verschwenderische Güte; die Quelle
Menschlichkeit kann .... ebenso überfließen..
...

Robinson Jeffers

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zum Advent

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Augenschein

Zur Nacht hat ein Sturm alle Bäume entlaubt

sieh sie an, die knöchernen Besen.

Ein Narr, wer bei diesem Anblick glaubt

es wäre je Sommer gewesen.

 

Und ein größerer Narr, wer träumt und sinnt

es könnte je wieder Sommer werden.

Und grad diese gläubige Narrheit, Kind,

ist die sicherste Wahrheit auf Erden.

Ernst Ginsberg

 

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Adventrede

Und die Bewegtheit des Herrn ist ohne Groll
und von großer Dauer.
Und seine Gerechtigkeit hört nicht auf,
und seine Güte bleibt ewig.
Und darum entfernen wir gern die Bitterkeit,
wie ein enges Gewand.
Und die Trauer legen wir ab,
wie einen Mantel im Frühling.


Und mit viel Sorgfalt nehmen wir
die Einsamkeit von unserer Stirn.
Und wir weisen unsere Aufmerksamkeit hin
zu den einfachen Dingen.
Und wir verlassen uns auf das Dach,
das keinen Regen durchlässt.
Und wir vertrauen dem Stuhl, der fest steht,
und uns trägt.

Und es kommen wieder zu uns die täglichen Wiesen
und Sonntage.
Und die Salamander mit den seidenen Strümpfen
und goldenen Hemden.
Und auch die Lämmer und die Zicklein...
meine gnädigen Freunde.

Und die Lieder der Hirten...
und die Gebete der erwachenden Frauen.
Und es brechen die Tore auf...
und es treten hervor die Erkennbaren.
Und sie stehen makellos da...
und sie breiten ihre Flügel aus.


Jesse Thoor

 

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Der Stern

Hätt einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wär wohl nie
dem Sternlein nachgereist wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.

 

Wilhelm Busch

 

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Gott

wohnt in einem Licht,

zu dem die Bahn gebricht.

Wer es nicht selber wird,

der sieht ihn ewig nicht.


Halt an, wo läufst du hin?

Der Himmel ist in dir.

Suchst du Gott anderswo,

du fehlst ihn für und für.


Du reisest vielerlei,

zu sehn und auszuspähn.

Hast du nicht Gott erblickt,

so hast du nichts gesehn.


Man kann den höchsten Gott

mit allen Namen nennen;

man kann ihm wiederum

nicht einen zuerkennen.


Gott ist so überalls,

dass man nichts sprechen kann;

drum betest du ihn auch

mit Schweigen besser an.

Angelus Silesius



Glauben

Glauben heißt irren. Nicht glauben nützt nichts.

Ricardo Reis

 

 

„Zuflucht noch hinter der Zuflucht“

Hier tritt ungebeten nur der Wind durchs Tor
Hier
Ruft nur Gott an
Unzählige Leitungen lässt er leben
Vom Himmel zur Erde
Vom Dach des leeren Kuhstalls
Aufs Dach des leeren Schaftstalls
Schrillt aus hölzerner rinne
Der Regenstrahl
Was machst du, fragt Gott
Herr, sag ich, es
Regnet, was
Soll man tun
und seine Antwort wächst
Grün durch alle Fenster

Reiner Kunze

 

Die Slüterhauswoche


Sonntag, 17.09.

10.00 Taufgottesdienst mit der Combo


Dienstag

10.00 Bürostunde

15.00 Kindernachmittag

16.30  Kinderchor

19.30 Gemeindeabend

 

Mittwoch

15.30 Jungbläser

 

Donnerstag

10.00 Sprachkaffee

15.00 Bibelstunde

17.30 Bläserkreis

19.15 Chor

 

Freitag

09.30 Krabbelgruppe

 

Sonntag, 24.09.

10.00 Abendmahlsgottesdienst


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Wetterbericht

Fotowettbewerb

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